Körperliche Techniken: Sicherheit in alltäglichen Situationen
Als ich mit Selbstverteidigung anfing, war ich überrascht, wie effektiv schon einfache körperliche Techniken sein können. Ich habe gelernt, wie ich mich aus Umklammerungen oder Griffen befreie und welche Körperstellen eines Angreifers besonders empfindlich reagieren. Diese simplen Griffe und Bewegungen geben mir das Vertrauen, mich im Ernstfall verteidigen zu können – ganz egal, wie groß oder stark der Angreifer im Vergleich zu mir ist. Anfangs war ich unsicher, ob ich körperlich mithalten könnte, doch schon nach kurzer Zeit merkte ich: Es kommt nicht nur auf Muskelkraft an, sondern vor allem auf Technik und Entschlossenheit.
Durch das Training bin ich auch insgesamt fitter und reaktionsschneller geworden. Die wiederholten Übungen sorgen dafür, dass mein Körper sich Bewegungsabläufe merkt – man spricht hier von Muskelgedächtnis. Sollte also tatsächlich einmal etwas passieren, kann ich instinktiv und schnell reagieren, ohne lange nachdenken zu müssen. Wichtig war für mich auch zu lernen, dass Selbstverteidigung nicht bedeutet, sich auf einen langen Kampf einzulassen. Vielmehr geht es darum, mit einem schnellen, gezielten Impuls aus der Gefahrensituation zu entkommen und dann so schnell wie möglich Hilfe zu holen oder wegzulaufen. Übrigens gehört sogar lautes Schreien oder Rufen zu den Techniken: Ein kräftiges, bestimmtes "Stopp!" kann einen Angreifer irritieren und andere Menschen auf die Situation aufmerksam machen.
Mentale Vorbereitung und Selbstsicherheit
Genauso wichtig wie die körperlichen Techniken ist die mentale Vorbereitung. Ich habe gelernt, in stressigen Situationen ruhig zu bleiben und einen klaren Kopf zu bewahren – leichter gesagt als getan, aber durch Übungen wie Atemtechniken und Rollenspiele wurde ich immer besser darin. Ein guter Selbstverteidigungskurs hat mir gezeigt, wie ich mein Bauchgefühl ernst nehmen kann: Wenn mir eine Situation oder eine Person komisch vorkommt, vertraue ich inzwischen auf meine Intuition und bringe mich lieber frühzeitig aus der potenziellen Gefahr, bevor überhaupt etwas passiert. Außerdem achte ich heute bewusster auf mein Umfeld. Früher habe ich zum Beispiel oft mit Kopfhörern Musik gehört und auf mein Handy geschaut, während ich unterwegs war. Jetzt halte ich den Kopf oben, scanne meine Umgebung und bin präsent – allein diese Achtsamkeit gibt mir mentale Sicherheit.
Mit jeder Lektion in Selbstverteidigung wuchs auch mein Selbstvertrauen. Ich habe gelernt, mich selbstbewusst zu präsentieren – Schultern zurück, Blick nach vorne – anstatt unsicher und ängstlich zu wirken. Diese Ausstrahlung allein kann schon abschreckend wirken: Jemand, der selbstsicher auftritt, wird seltener als Opfer ausgewählt.Mir wurde außerdem bewusst, dass ich das Recht habe, klare Grenzen zu setzen. Früher hätte ich aus Höflichkeit vielleicht unangenehme Annäherungen erduldet, heute sage ich deutlich "Nein", wenn mir etwas nicht passt. Dieses innere Wissen, für mich einstehen zu dürfen, ist eine enorme mentale Stärke, die mir in vielen Alltagssituationen hilft – nicht nur in potenziellen Gefahrensituationen.
Praktische Tipps, die du sofort umsetzen kannst
Selbstbewusst auftreten: Achte im Alltag bewusst auf deine Körpersprache. Laufe aufrecht, halte den Kopf hoch und schaue nach vorne. Eine selbstbewusste Haltung kann dich schon im Vorfeld vor Problemen schützen.
Umgebung wahrnehmen: Sei aufmerksam, wenn du unterwegs bist. Nimm deine Kopfhörer ab und stecke das Handy weg, zumindest an unübersichtlichen oder abgelegenen Orten. Wenn du deine Umgebung im Blick hast, fühlst du dich automatisch sicherer und bist im Ernstfall reaktionsfähiger.
Klare Grenzen setzen: Trau dich, im Alltag "Nein" zu sagen, wenn dir etwas unangenehm ist. Ob jemand dir zu nahe kommt oder dich zu etwas drängen will – du darfst höflich aber bestimmt ablehnen. Dieses Üben im kleinen Rahmen macht es leichter, auch in ernsthaften Situationen Grenzen zu ziehen.
Stimme einsetzen: Übe, laut und bestimmt zu sprechen. Sprich im Alltag ruhig etwas lauter und deutlicher – zum Beispiel, wenn du jemanden begrüßt oder um etwas bittest. Im Notfall hilft eine kräftige Stimme, Aufmerksamkeit zu bekommen: Ein lautes "Hilfe!" oder "Stopp!" kann im Ernstfall Wunder wirken.
Einfache Techniken üben: Du kannst bereits jetzt ein paar grundlegende Selbstverteidigungstechniken recherchieren und mit einem vertrauenswürdigen Partner üben. Zum Beispiel, wie du dich aus einem Handgelenksgriff befreist. Selbst das einmalige Durchgehen solcher Techniken kann dir ein Gefühl von Sicherheit geben.
Kurs besuchen: Informiere dich über Selbstverteidigungskurse in deiner Nähe. Schon ein Wochenend-Workshop kann dir wertvolle Fähigkeiten vermitteln und dir zeigen, wie stark du wirklich bist. Außerdem macht es in der Gruppe Spaß und motiviert ungemein, dran zu bleiben.
Fazit
Selbstverteidigung hat mein Leben in vieler Hinsicht positiv beeinflusst. Ich fühle mich heute stärker und unabhängiger, weil ich weiß, dass ich mich im Notfall schützen kann. Dabei geht es nicht darum, ständig misstrauisch oder ängstlich zu sein – im Gegenteil. Es geht darum, sich nicht von der Angst kontrollieren zu lassen, sondern aktiv etwas für das eigene Sicherheitsgefühl zu tun. Jeder kleine Schritt, den wir in Richtung Selbstschutz machen – sei es ein besuchter Kurs, ein geübter Handgriff oder einfach nur ein selbstbewussterer Gang – macht einen Unterschied.
Aus eigener Erfahrung kann ich sagen: Das Gefühl, für die eigene Sicherheit sorgen zu können, ist unbezahlbar. Und das Beste ist, dass du jederzeit damit anfangen kannst, egal wie alt du bist oder wie sportlich (oder unsportlich) du dich fühlst. Selbstverteidigung ist für uns alle da, um uns stärker zu machen und zu schützen. Also hab Mut und geh den ersten Schritt – dein zukünftiges Ich wird es dir danken!